christmas, i gave you my heart.

Ich mag sie, die Weihnachtszeit. Kaum eine andere Zeit im Jahr gibt uns Anlass zu dermaßen vielen Sit-ins, Get-Togethers, Runden, Feiern, Treffen. Wir verabreden uns mit Freunden auf dem Weihnachtsmarkt, wir kommen in gemütlicher Runde bei Glühwein und Lebkuchen zusammen, wir backen gemeinsam Plätzchen, wir feiern das Weihnachtsfest mit der ganzen Firma und dann noch einmal mit dem Team, wir laden die Familie zu Kaffee und Stollen ein und finden nebenbei immer wieder Grund zum Glühwein trinken.

Glühwein nicht zu mögen, ist keine Option. Der Glühweinverzehr wächst historisch – man fängt mit ein paar Schlückchen an und verzieht dabei das Gesicht, Jahre später ertappt man sich dabei, die Glühweinstände auf dem Lieblingsweihnachtsmarkt mittels 10-Punkte-Skala zu bewerten. Ich hätte ja vermutet, dass sich die Deutschen schon seit Jahrhunderten dem zweifelhaften Genuss von Glühwein hingeben, aber tatsächlich geht die Historie gerade mal auf das Jahr 1956 zurück. Wikipedia erzählt, dass Winzer Rudolf Kunzmann in seinem kleinen Weinkeller in Augsburg auf die Idee kam, seinem Wein Zucker und Gewürze zuzufügen. Anscheinend fand diese Kreation Zuspruch bei seinen Geschmacksnerven, denn er füllte sie in Flaschen ab und begann mit dem Verkauf. Interessanterweise besagte das Weinrecht damals, dass Zucker als Zutat verboten sei und so verhängte die Stadt Augsburg ein Verkaufsverbot, welches erst mit der Änderung des Weinrechts aufgehoben wurde.

Nun bleibt es jedoch nicht immer bei moderaten, gemütlichen Glühwein-Sessions. Die alljährlichen Firmen-Weihnachtsfeiern malen ein anderes Bild, welches doch jedes Jahr aufs Neue herrlich amüsant zu betrachten ist. Vorausgesetzt, man ist halbwegs nüchtern dazu in der Lage. Das Bändchen am Arm, das endlos fließendes mittelprozentiges verspricht, automatisiert den Gang zur Bar. Zwischendrin gibt es immer wieder Lebensmüde, die Mexikaner/Berliner Luft/Jägermeister oder andere seltsam riechende Shots durch die Menge reichen. Was dazu führt, dass sämtliche restriktive Verhaltenskodexe über Bord geworfen werden und man Sachen hört und sieht, die nicht dazu bestimmt sind in dieser Personenkonstellation gehört und gesehen zu werden. Aber das macht so eine Weihnachtsfeier eben auch aus und so tut man am darauf folgenden Montag so, als hätte man eben diese Dinge weder gehört noch gesehen und schmunzelt innerlich darüber, was so ein Kontrollverlust anstellen kann.

In diesem Sinn: hoch lebe die Vorweihnachtszeit! Backt Plätzchen, zündet Kerzen an, hört „Last  Christmas“ in Endlosschleife, dekoriert was das Zeug hält, ehrt Herrn Kunzmann für seinen Erfindergeist und genießt die Geselligkeit!

579fbfd0000fadf62754b39db9577e30

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s