darf’s noch ein gläschen sein?

Irgendwie mag ich die Vorweihnachtszeit lieber als das eigentliche Fest. Diese wenigen Tage, die an einem vorbei rauschen und ihren Höhepunkt in einer gewissen Skurrilität finden, die sich Familien-Überdosis nennt. Entzieht man sich dieser nicht, so futtert man von morgens bis abends abwechselnd herzhaft und süß und trinkt Rotwein in rauen Mengen. Jede Familie ist dabei anders und auf ihre Art seltsam, eigenartig, speziell. Wie man es auch nennen mag. Tragischerweise wird einem ja irgendwie immer ein Spiegel vorgehalten und man entdeckt jedes Jahr aufs Neue welche Charakterzüge man von wem hat, redet sich ein, dass man ja doch irgendwie ganz anders ist und hofft inständig, dass man sich in den kommenden Jahren nicht noch so die ein oder andere Eigenart aneignen wird. Die Vorliebe für asiatische Kampffilme zum Beispiel oder scharfem Essen, das einem die Geschmacksnerven abfackelt.

Jedes Weihnachten hält, trotz absoluter Routine, dann doch immer wieder Überraschungen bereit. Nein, mein politisch inkorrekter Vater ist es nicht, auch nicht das Interesse meiner Mutter am Leben anderer oder der sonderbare Musikgeschmack meines Bruders. Aber irgendwie fährt man dann am Heiligabend, ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag heim und denkt sich: „Irgendwie wild“. Es gibt nicht umsonst eine endlose Anzahl an Filmen, die sich chaotischen Familien-Konstellationen an Weihnachten widmen. Aber das ist auch gut so, gibt es einem doch das Gefühl nicht allein zu sein.

Das Problem, wenn man es so nennen möchte, ist der Druck. Ja, wie auf allem, so lastet auch auf dem Weihnachtsfest ein immenser Erfolgsdruck. Mindestens vier Wochen vorher geht das Trara los. Die Vorbereitungen, die Vorfreude… Um dann 2,5 Tage Zeit zu haben, sich als perfekte Familie der Welt zu präsentieren, die schönsten Geschenke einander zu überreichen, das leckerste Essen zu kochen und zu verputzen, die harmonischste Zeit miteinander zu verbringen. Weniger als Superlativ wird nicht akzeptiert. Und wehe wir verbreiten in den sozialen Netzwerken nicht Fotos von zauberhaft geschmückten Tannenbäumen, einander lieb habenden Familien und großzügigen Geschenke-Haufen, um jeden wissen zu lassen: wir haben das perfekte Weihnachtsfest. Dabei würde ein bisschen weniger Perfektion dem Weihnachtsfest gar nicht schaden.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Ich hab sie lieb, meine Familie. Es gab keinen perfekten Weihnachtsbaum, es war nicht immer harmonisch, es floss zu viel Rotwein und der Fernseher, der war tatsächlich auch mal an. Aber schön war’s dennoch. In diesem Sinne: Euch allen ein entspanntes Fest mit den eigenen Chaoten. Ich schau nun eine weitere Folge Shameless. Es gibt keine bessere Methode der eigenen Familie einen Heiligenschein zu verleihen. simpsons-xmas-intro-weihnachten-start-sequenz-youtube-2

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