wenn die zukunft ganz fern ist.

Ich habe es tatsächlich zur Sparkasse geschafft. Nicht aus eigenem Antrieb, sondern weil man mich unter dem Vorwand falscher Behauptungen zu sich gelockt hat. Nun, es kam mir gelegen, ist die Kontoschließung doch nun endlich unter Dach und Fach. Doch war mir nicht bewusst, dass ein Besuch bei der Sparkassentante des Vertrauens (die Frau Pusch nun unfreiwillig ist – sie kennt meine Finanzen und meine Lebenssituation) automatisch auch eine Auseinandersetzung mit den ganz großen Zukunftsfragen bedeuten würde.

Sie schien fest davon auszugehen, dass Menschen in meinem Alter eine Grundahnung davon haben müssten, für was sie ihr Geld sparen. Bewusst sparen. Nun, es mag sicherlich einige Gleichaltrige geben, die sehr verantwortungsvoll und vorausschauend mit ihren Finanzen umgehen. Die Bausparverträge, Wertpapiere oder gar Immobilien haben, so dass sich das Geld langsam aber sicher vermehrt. Ein Großteil jedoch spart allerhöchstens für den nächsten Urlaub, bei dem man es dann so richtig krachen lassen will. Ans Häusle bauen oder kaufen denkt kaum jemand. Stattdessen freut man sich über ein regelmäßiges Einkommen und eine halbwegs erschwingliche Wohnung mit mindestens 50 Quadratmetern im immer teurer werdenden Berlin. Die Zukunft kommt übermorgen, da kann man sich mit solchen komplexen Themen dann ja immer noch beschäftigen. Wozu natürlich auch ein weitere Unannehmlichkeit gehört: die Rentenvorsorge. Frau Pusch war so nett mich daran zu erinnern, dass ich ja nun leider, leider keine Rente oder wenn, dann nur einen Mindestbetrag, erhalten würde. Ihr ermahnender, beschwörender Unterton und der fürsorgliche Rat für das Alter vorzusorgen mischten sich mit dem immer wieder kehrenden Hinweis zum möglichen Darlehen für den Erwerb einer Immobilie. Wenn es denn dann so weit sein sollte mit dem Niederlassen.

Mein nicht existenter Traum vom Eigenheim schien sie etwas zu irritieren. Auch, dass ich keine Vorstellungen von anderen großen Anschaffungen habe. Auto, Kind, Ferienwohnung, High-Tech Küche, Swimmingpool. Auf irgendetwas müsse man doch sparen und wenn es das Sparkonto des Erstgeborenen ist. Frau Pusch erwartet ganz schön viel. Wir sind doch gerade erst den Zwanzigern entwachsen und versuchen uns langsam auf die Anforderungen der Dreiziger einzustellen. Als ich persönlich gerade dachte, ich wüsste in welche Richtung ich blicken könne, hat ein unfreiwilliger U-Turn alles durcheinander gebracht. Und so geht es vielen. Wozu also planen?

Ja, wir ticken anders als die Generation unserer Eltern. Die hatten zu diesem Zeitpunkt bereits ein Reihenhaus und haben an ihrer Terrasse gewerkelt oder Carports gebaut. Und wir? Wir wollen uns gern alle Optionen offen halten – festlegen wäre zu unflexibel. Es könnte ja schließlich noch was Besseres kommen.

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