von kleiderschrankkrisen & anderen geschichten.

Trotz der riesengroßen Onlinewelle: ein treuer Fan des stationären Handels bin ich stets geblieben. Ich liebe es durch die Läden zu streifen, zu stöbern, die Warenpräsentation zu begutachten, das Interior-Design zu vergleichen, anzuprobieren (mal mehr mal weniger) und dann im Idealfall das Erstandene direkt im Beutelchen nach Hause zu tragen.

Ein Geburtstagsgutschein hat mich am gestrigen Tage animiert, einen kleinen Abstecher in die Gegend zu machen, die das Shoppingherz ein wenig höher schlagen lässt. Rund um die Alte Schönhauser Straße tummeln sich zu viele Läden, die meine Kaufbeherrschung bedrohen. Da ein Gutschein aber selbstverständlich immer eine wunderbare Ausrede für das Betreten eines Ladens ist, zögerte ich keine Sekunde. Ziel war der jüngste Ableger des schwedischen Großkonzerns H&M, dem ich bisher noch nicht allzu oft einen Besuch abgestattet hatte.

Ein wenig Recherche zeigt, auf welch‘ lange Unternehmenshistorie Hennes & Mauritz zurück blicken kann. Das Modehaus wurde bereits 1947 gegründet, in mein Bewusstsein drängt es sich erst mit 14 oder 15 – damals war es die Erlösung von C&A, Pimpkie und Orsay. Hauptsitz des Unternehmens ist Stockholm, wo um die 140 Designer an den schnellen Kollektionen arbeiten. Denn H&Ms Devise ist: modische Ware, günstige Preise, hoher Warenumschlag. Das Sortiment setzt sich dabei aus drei Ebenen zusammen: Basics, Trends und Fashion. All dem liegt eine clevere Marketing-Strategie zugrunde, die tragbare Preise mit dem Fashion-Geist der Laufstege dieser Welt verknüpft.

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Rank 2. Dramatischerweise dicht gefolgt von Frau Fischer.

H&M ist aber so eine Sache. Man kann fürchterlich genervt sein von den immer gleichen Modellen, die sich Saison für Saison wiederholen. Man kann frustriert sein, wenn man ein Teil nach der ersten Wäsche zum Trocknen aufhängt (hatte es beim Kauf schon die gleiche Schieflage?). Man kann erstaunt darüber sein, wie lange man einige Modelle schon im Schrank hat und man kann Leute überrascht sagen hören „Sowas gibt es bei H&M?“

Ich persönlich habe einige Modelle, die mich über viele Jahre begleiten. Ebenso hatte ich jedoch auch unzählige Basics, die im Rekordtempo durch meinen Schrank gewandert sind. Und noch viel schlimmer: Ergebnisse von Schnäppchenjägerei, bei denen man hinterher feststellt, dass selbst diese 10 bis 20 Euro absolut nicht hätten die Geldbörse verlassen müssen.

Ja, im Laufe der Zeit stellt man fest, dass es ärgerlich ist, das Gefühl zu haben, man hätte nichts Vernünftiges im Kleiderschrank. In den 20ern fand ich es okay, veränderte sich mein Geschmack doch alle zwei Jahre. Meine Zahlungsbereitschaft galt damals nur der Marke Blutsgeschwister, zeigte sich bei ihr schließlich eine hohe Wertstabilität. ebay und Kleiderkreisel sei dank vermute ich hier nur sehr geringe Verluste.

Nun ist jedoch eine Zeit gekommen, in der häufiges Aussortieren aufgrund von minderwertiger Qualität oder nicht-Gefallen frustriert. Viele Frauen kennen das Gefühl sich nicht mehr mit ihrer Garderobe identifizieren zu können. Oder sich einfach nur satt gesehen zu haben. Das gipfelt dann gern in einer handfesten Kleiderschrank-Krise. Einziger Ausweg: Radikalität beim Ausmisten & eine Bereitschaft zur Neuinvestition. Diesmal mit dem Ziel das Erlernte in den Käufen umzusetzen. Heißt: verdammt, es wird teurer.

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So betrat ich also den Laden, der meiner aktuellen Modelaune und dem Verlangen nach mehr Nachhaltigkeit entsprach. „& other stories“ ist der jüngste Streich von H&M und gehört wie COS zu den Premium-Marken des Unternehmens. Zwischen 50 und 100 Euro bewegen sich die meisten Teile, Schuhe starten bei 100. Der Store in der Alten Schönhauser lädt zum Wohlfühlen ein. Mit viel Liebe zum Detail wird die Ware präsentiert. Es ist keine Massenabfertigung. Man muss sich durch keine überladenen Stangen wühlen und durch enge Gänge schlängeln. Jedes Teil hat seinen Platz, alles ist wunderbar in Szene gesetzt – mittels kleiner kreativer Botschaften erfolgt gar eine direkte Kundenansprache. Eine Marketingstrategie, auf die ich wunderbar anspringe. Insgesamt also ein Einkaufserlebnis das soviel wunderbarer ist, als wie man es von H&M, Zara, Mango etc. gewohnt ist. Der Stil ist abhängig von der „story“, denn die Kollektionen teilen sich in vier Bereiche auf, benannt nach den Städten Berlin, Stockholm, New York und Paris. Generell würde ich ihn als avangardistisch, puristisch beschreiben. Ein Mix aus feminin & maskulin. Aktuell viele graphische Elemente. Viele starke Farben. Viele weich fließende Kleider. Ein bisschen 70er, ein bisschen Futurismus, ein bisschen Skandinavien.

Natürlich hat es seinen Preis und es wird sich erst noch zeigen, wie es um die Qualität tatsächlich bestellt ist. Aktuell gilt jedoch die Konzentration auf relative Kaufbeherrschung, denn der Frühling steht vor der Tür und all die wunderbaren zarten Frühlingsfarben, die weich fließenden Materialien, die schönen Schnitte, sie rufen laut und deutlich meinen Namen. Raunen mir zu, dass es an der Zeit ist für einen Frühjahrsputz im Kleiderschrank.

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