dance now. think later.

Tanzende Menschen sind etwas wunderbares. Es lohnt sich, hin und wieder am Rand zu stehen, statt mittendrin zu sein. Zu beobachten, wie sie ihren eigenen Rhythmus zur Musik finden, mit ihrem Tanzpartner Standardtänze neu erfinden oder in größeren Gruppen zu einem einzigen, sich bewegenden Etwas verschmelzen. Und das völlig unabhängig vom Alter – tanzende Menschen sehen schön aus.

Schade ist, wir tun es viel zu selten. Und oftmals brauchen wir ein paar Schlückchen Alkoholisches um uns locker zu machen. Je angetüdelter, desto befreiter. Je befreiter, desto Kopfungesteuerter tanzen wir. Dann ist es egal, wer zuschaut. Dance like no one is watching. So sollte es immer sein. Aber wir sind so gefangen in unserer Alltagsrolle, im stets professionellen und kontrollierten Auftreten, dass wir einen Moment brauchen, bis wir es schaffen, aus dieser Rolle zu schlüpfen.

Am Wochenende habe ich eine Gruppe von fremden Menschen beim Tanzen beobachten können. Privatparty, etwa 70 Gäste. Ein paar der Gäste kannte ich von Erzählungen oder habe nur kurz mit ihnen gesprochen. Zeit für eine kleine Sozialstudie. Es ist spannend, zu sehen, wie deckungsgleich der erste Eindruck mit dem Tanzstil sein kann. Da sind die gutmütigen, die lieben, die die selten oder nie ausbrechen und sich in ihrer Beständigkeit sehr wohl fühlen. Ein bisschen schüchtern, lieber im Hinter- als im Vordergrund. Sie tippeln zaghaft auf einer Stelle, konzentrieren sich bewusst auf ihren Tanzpartner – sei es Freund oder Freundin und sind sich nicht so ganz sicher, ob sie sich tatsächlich wohlfühlen oder lieber wieder an die Bar oder in ein Gepräch flüchten wollen.

Das andere Extrem sind die, die die ganze Tanzfläche dominieren. Davon gibt es bei der Gruppengröße immer mindestens ein oder zwei Gäste. Im fliegenden Wechsel wandern sie zwischen den Tanzgästen umher und tanzen allen und jeden an, egal ob DJ oder ältester Gast. Sie brauchen Aufmerksamkeit. Viel davon. Und Körpernähe. Sie umarmen, busseln, knutschen was das Zeug hält. Ob gleichgeschlechtlich oder nicht. Ein gewisser Alkoholpegel ist an dieser Stelle nicht ganz unwahrscheinlich. Ein bewusst gesteuerter Kontrollverlust gehört einfach dazu. In der Regel sind das genau die Menschen, die auch im Alltag gern die kleinen Rebellen sind. Oder die, die gern Rebellen sein wollen, aber es einfach nicht hinbekommen. Die die Aufmerksamkeit mögen, oder gar brauchen. Die Lauten, die mit den immer aufregenden Geschichten.

Und dann sind da die, die das Gruppengefühl brauchen. Die allein irgendwie verloren sind, aber in der Gruppe aufgehen. Das sind auch die Personen, die es nicht akzeptieren können, dass jemand am Rand steht, an der Bar oder Unterhaltungen führt. Sie tauchen plötzlich auf, fixieren ihr potentielles Tanzopfer und ziehen es auf die Tanzfläche. Ein Nein wird nicht akzeptiert. Je weniger Personen auf der Tanzfläche, desto weniger erträglich für sie.

Gern werden aus Tanz-Duos auch große Gruppen von Tanzenden, die einander anfassen, umarmen. Das ist besonders schön zu beobachten, wenn man weiß, dass diese Menschen bereits seit vielen Jahren befreundet sind. Im Alltag sagt man sich ja selten, wie glücklich man ist einander zu haben. Beim Tanzen weiß man es auszudrücken. Die Musik und der Alkohol machen uns ein bisschen emotionaler und ein bisschen anhänglicher als wir es normalerweise sind und, vielleicht auch, zeigen wollen.

Es gibt aber auch die, die es genießen für sich zu tanzen. Zwar mögen sie es, andere um sich zu haben und ihre Freude via Mimik und Gestik zu kommunizieren. Sei es die Euphorie über bestimmte Songs, oder auch einfach nur über den Akt des Tanzens an sich. Aber gleichzeitig versinken sie auch in der Musik und sie würden es kaum merken, würden sie plötzlich allein auf der Tanzfläche stehen. Das sind die Augenverschließer. Die, die plötzlich merken, dass der Alltag ganz weit ist. Die sich wünschen, die Nacht wäre ein nicht enden wollender Tanz.

image
Diese heterogenen Tanz-Charaktere können die Tanzfläche tatsächlich zu einem kleinen winzigen Ausschnitt unserer Gesellschaft machen. Und wenn die Gesellschaft, so wie am Wochenende, größtenteils aus Gästen im Alter 35+ besteht, dann empfinde ich es schon fast als Beruhigung, wie absolut zeitlos diese Art von Bewegung sein kann. Wer die Moves in jungen Jahren hat, hat sie auch im Alter. Wer Spaß am Tanzen hat, wird immer Spaß daran haben. Wer sich wohl fühlt, wer los lassen kann, wer darin aufgeht, der wird nie aufhören.

Tanzende Menschen sind schön. Let`s dance all night. Dance like no one is watching.

image

thehalifaxjungle.tumblr.com

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s