far far away

Abstand vom Berliner Winter, er war so bitter nötig. Ab Februar fallen viele von uns, mich eingeschlossen, ja beinahe in eine Winterdepression. Und das so kurz vor dem absehbaren Ende. Dann beginnen die letzten harten Meter, auf denen es gilt durchzuhalten und nicht an den ständig grauen, dunklen, kalten Tagen zu verzweifeln. In den Wochen vor dem Urlaub kämpfte ich mich morgens auf dem Radel durch die immer gleichen null Grad. Dicke Fäustlinge an den Fingern, die ich eigentlich schon längst verbannt haben wollte. Zwei Paar Socken an den Füßen, weil ich die hässlichen, aber wunderbar wärmenden EMUs schon längst verbannt hatte. Der Himmel hing schwer und grau-weiß auf die Stadt hinunter und weil es Mister Wettergott gern herausfordernd mag, liess er dem regelmässig niederprasselnden Regen auch noch Schnee, Graupel und Hagel beimischen. Die Anzahl meiner Vitamin D-Kapseln katapultierte sich von 0 aufs Maximum der empfohlenen Tagesdosis, ich zog es in Erwägung eine Tageslichtlampe in meinem Wohnzimmer aufzubauen und fing tatsächlich wieder an zu joggen – währenddessen ich mir einredete, den Frühling schon riechen zu können. In Wirklichkeit musste ich aufpassen, nicht in der leicht angefrorenen Pfütze auszurutschen. Nur die Aussicht auf Sonne und Wärme hat mich davor bewahrt beim allmorgendlichen Blick aus dem Fenster keine Schreikrämpfe zu bekommen.

Und so betrat ich in heller, wahnsinniger Urlaubsvorfreude einen Flieger bei 4 Grad und stieg 15h später bei knapp 40 Grad aus. Licht, endlich wieder Licht! Die Wärme lullte ein und verwandelte sich langsam in Hitze, während ich entzückt war vom Grün der Bäume und vom Geruch des Sommers.

In Bangkok war die Luft allerdings noch eingenommen von Verkehr, vom Lärm der Tuk Tuks, vom Gewusel der Rollerfahrer. Straßenstände über Straßenstände, die verrücktesten Dinge in Woks und auf Grillen. Reichtum vs. bittere Armut. Wellblechdächer vs. Skyscraper. Im Norden Thailands dann die satte Vegetation von Teakholzbäumen, Bambus, Orchideen und Hibiskus. Chiang Mai ist die zweitgrößte Stadt des Landes und zählt doch nur 135.000 Einwohner. Trotzdem gibt es um die 1000 Unterkünfte für Reisende. Zu dieser Zeit, es beginnt der Sommer, die Hauptreisezeit ist vorbei, findet man viele Hotels fast leer vor. Die Preise sinken mit jedem Tag, last-minute Buchungen lohnen sich. Aktivitäten wie Trekking-Touren oder 12-Stunden Tagesausflüge dagegen verlieren etwas an Attraktivität. Die Nähe zum fast Menschenleeren Pool ist zu reizvoll. Abends auf dem Markt von Stand zu Stand futtern. Pad Thai und Papaya Salat für einen Euro. Immer unterschiedlich, aber immer lecker. Die leckersten Mango-Smoothies für einen halben Euro. Und Wassermelone, jeden Morgen Wassermelone.

Dafür nie dabei: das Handy. Unfreiwillig ist der Kontakt zur Außenwelt, zumindest in Hinblick auf whatsapp, sms und co. abgebrochen. Über einseitige Kommunikation also bitte nicht wundern. Deutschland fühlt sich auch deshalb sehr weit weg an.

    
  

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s