home is…

Wenn die Season-Switch Erkältung zuschlägt, dann ist wohl ein guter Augenblick gekommen, einmal inne zu halten und sich Zeit für die Schreiberei zu nehmen. Bleibe ich doch sonst doch nur in der Welt von Queen B und Chuck Bass hängen, um mich über den traurigen Zustand hinwegzutrösten, dass das wilde Leben gerade ganz weit weg ist.

Ein guter Moment auch, um dieses und jenes zu realisieren. Wie schnell die Zeit voran schreitet ist ja bekanntlich nichts Neues. Aber dass in 5 Tagen das 5-jährige Jubiläum meiner vier Wände und mir ansteht, das ist schon ganz schön verrückt. Angesichts des Vorhabens, die Wohnung bald aufzugeben, lohnt sich ein Blick zurück.

Zurück in die Zeit, als die Wohnungssuche in Berlin noch das kleinere Problem war. Man konnte sich ja über vieles wundern und ärgern. Über das nicht enden wollende Drama des Flughafenbaus zum Beispiel. Die steigenden Preise der S-Bahn, den dreisten Fahrradklau, Abfall hinterlassende Parkbesucher, Straßentaugliche Seifenkisten & Bierbikes… Was uns aber damals noch nicht stresste, war die Suche nach einer neuen Wohnung.

Ja, die Suche damals, sie war eine einfache. Ich kniff noch etwas die Augen zusammen als ich den Mietvertrag unterschrieb. 640 Euro, das war damals noch recht viel Geld für 50 qm2 und 1.5 Zimmer. Aber egal, dachte ich mir, es musste schnell gehen. Die Lage passte, die Wohnung war nicht wie viele andere, ich wollte sie haben. Ein paar Dinge realisierte ich erst im Nachhinein. Die etwas laute Kochstraße zum Beispiel. Die Terrasse, die nie nie nie von der Sonne geküsst wird, die kochende Küche im Sommer aufgrund von massiver Sonneneinstrahlung. Ich verfolgte weiterhin die Wohnungsannoncen, in der Hoffnung, doch noch etwas besseres zu finden. Doch die Suche nervte und irgendwann gab ich auf. Denn, auch wenn es einen Moment gedauert hatte, wir beide, die kleine Wohnung und ich, waren warm miteinander geworden. Ich richtete mich langsam ein, es folgte Farbe an den Wänden, irgendwann gar eine Deckenlampe, um nicht weiterhin bei Betreten der Wohnung durch die Dunkelheit zu tapsen. Auch wenn ich die Kochstraße weiterhin für ihren Verkehr verteufelte, so näherten auch wir uns an. Ich entdeckte den Obst- und Gemüsehändler meines Vertrauens, der mich im Sommer mit großartigen Wassermelonen versorgte und nicht nur mit unschlagbaren Preisen punktete, sondern auch mit einer Fußläufigen Erreichbarkeit von 2 Minuten. Das Café Westberlin direkt ums Eck wurde mein Rückzugsort zum Schreiben und Entspannen und bot auch dann stets Nahrung, wenn mein Kühlschrank mal wieder gähnende Leere präsentierte. Unschlagbar: das Ziegenkäse-Rote Beete Stüllchen. Die Nähe zum Tiergarten, sie war weiterhin das ganz große Plus. Zum Joggen stets wunderbar zu erreichen, ob tagsüber oder am Abend. Zum Rumliegen auf der Decke oder zum Spazierengehen – es war und blieb mein liebster Park. Aber auch der Gleisdreieckspark, der sich in den letzten Jahren immer einladender gestaltete, wurde Laufziel, Zeitungsleseziel, Picknickziel.

Verließ ich meine Wohnung über den Hof, so durchquerte ich stets die Zimmerstraße, die in den 5 Jahren wohl die größten Veränderungen durchlief. Die Trabi-Safari war stets da, soweit ich mich erinnern kann. Der Welt-Ballon auch, wurde in der Zwischenzeit aber ausgetauscht und leuchtet inzwischen im Dunkeln. Außerdem geriet er bei regem Wind in Schieflage und erschreckte etwa 20 Touristen, woraufhin er für einige Woche am Boden bleiben musste. Ein Stasi Museum kam und ging. Ein Winters-Hotel eröffnete und brachte nicht enden wollende  Bus-Kolonnen mit sich. Das Mauerpanorama von Asisi öffnete, ein amerikanischer Schulbus verkaufte Waffeln und Eis und verschwand wieder. Der Händler von russischen Fellmützen und Gasmasken wurde vom Pizzaladen verdrängt.Ein Trabi-Museum eröffnete. Einzig treue Seelen der Zimmerstraße waren die beiden Designläden mit originalen made in Berlin Produkten, in denen man auch als Nicht-Touri wunderbar stöbern konnte sowie ein Laden namens „Wall Street Gallery“, dessen Bestimmung ich noch nicht herausfinden konnte. Lediglich von spiritueller Natur scheint er zu sein. Des nachts brennt stets eine Kerze im Schaufenster, angezündet von einer grauhaarigen Dame im langen Gewand, die aussieht, wie die weibliche Version von Gandalf.

Nun ist die Zeit für einen Tapetenwechsel und ein neues Kapitel gekommen. Die Suche nach einem neuen Zuhause ist für alle ein Drama, die genaue Vorstellung von dem haben, was sie wollen und wo sie es wollen. Es führt dazu, dass man plötzlich recht flexibel mit dem ursprünglichen festgelegten Miet-Budget umgeht. Und feststellt, dass Berlin doch irgendwie gar nicht so groß ist. Sicherlich gibt es sie noch, die Wohnungen für 600 bis 700 Euro pro Nase, die ganz zauberhaft sind. Aber sie liegen eben immer da, wo sie nicht liegen sollten. Und ja, ein bisschen anspruchsvoll möchte man in Berlin eben noch gern bleiben. Noch sind wir nicht bei Londoner, Pariser oder New Yorker  Zuständen angekommen. Noch möchten wir so zentral wohnen, wie wir es uns vorstellen – wobei zentral immer da ist, wo man gerade sein Zentrum sieht. Wo die Freunde wohnen, man arbeitet, man sich Freizeit und Entspannung gut vorstellen kann.

Nun, allen Umzugswilligen sei an dieser Stelle viel Durchhaltevermögen und Erfolg gewünscht. The hunt has just begun.

 

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