Wenn alles anders kommt.

Bei der Landung in Miami war das Erste, das ich erblickte, ausgerechnet Trumps Privatflugzeug. Es sollte Böses ahnen lassen. In den zwei Wochen im Swing State Florida begegnete mir Trump überall. In den Vorgärten, an Highways, auf Autos – wer Trump unterstützte, der wollte dem auch Ausdruck verleihen. In den konservativen Südstaaten Alabama, Mississippi und Louisiana das gleiche Bild. In jedem Motel, jeden Morgen beim Frühstück, spulte Fox News die immer gleichen Schlagzeilen rund um Clintons eMail-Affäre ab. Viel Wind um nichts, wie sich später zeigen sollte – jedoch nicht, ohne Schaden anzurichten.

Lediglich in New Orleans, der wohl liberalsten Stadt von Louisiana, wenn nicht gar der Südstaaten, war Clinton deutlich präsenter. Hier, wo Schwule und Lesben von der Polizei eskortiert durch die Stadt tanzen, wo die prüden Amerikaner freizügig werden und ohne Papiertüte Alkohol auf offener Straße trinken können.

Und doch hatte ich all die Zeit die Hoffnung, dass jemand so offensichtlich nicht geeignet für die Rolle als Präsident, keine reale Chance hätte. Wenn Menschen im Nike-Store mit den Kassierern darüber diskutieren, was zu tun sei, wenn es tatsächlich soweit käme. Wenn so viele dieses Thema bewegt. Aber Moment, die Menschen die ich diskutieren sah, waren stets jene Bevölkerungsgruppen, die Trump angegriffen hatte. Ihre Stimmen haben leider nicht ausgereicht. Es war die schweigende Mehrheit derer deren Nerv er getroffen hat mit seinen simplen, leeren Statements. Leer aber catchy und einprägsam. Simple aber gemacht für die breite Masse. Letztendlich waren es die Ultrakonservativen, die Älteren, die Weißen, die enttäuschte Mittelschicht. Die, die der Meinung waren Obama hätte einen schlechten Job gemacht und jemandem glauben wollen, der behauptet „No one knows the system better than me, which is why I alone can fix it“. Er gab denen Futter, die sich gegen Obamacare stellten. Die, die sich vom copycat Slogan „Make America great again“ blenden ließen. Und natürlich die, die per se niemals einen Demokraten wählen würden. Oder eine Frau. Und davon gibt es einige im diesem Land, das gern an seinen konservativen Werten festhält. Und am Recht zur Selbstbewaffnung.

Ich habe vieles in diesem gottesfürchtigen Land nicht verstanden, das seine politischen Entscheidungen vielerorts von der Haltung zur Abtreibung und der gleichgeschlechtlicher Ehe abhängig macht. Das heutige Wahlergebnis jedoch erreicht den Gipfel meines Unverständnisses.

Aber genug davon. Eigentlich hatte ich vor über die Schönheit Floridas zu schreiben. Über die spannende Flora und Fauna mit seinen stolzen Delphinen, wagemutigen Pelikanen, gutmütigen Manatees, angsteinflößenden Alligatoren und Panthern. Über mächtige Mangroven, enorme alte Eichen behangen mit spanischem Moos, die leicht bizarr und der Gegenwart entrückt wirken. Über unzählige Palmen und menschenleere Strände.

Möglicherweise hätte ich auch über die USA als einer der größten Müllproduzenten geschrieben, denn man kommt nicht daran vorbei, sich unentwegt verwundert die Augen zu reiben angesichts der Müllberge, die man als Konsument gezwungen wird zu produzieren. Aber das ist ein Thema, das, so fürchte ich, in den nächsten vier Jahren nur wenig Aufmerksamkeit erhalten wird. Was mich zum neuen Kopf der USA zurück bringt. Daher ein andermal mehr dazu – heute muss der Schock erstmal verdaut werden. Dabei helfen Erinnerungen an, genau, die schöne Flora und Fauna.

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